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Akari wird Athletin auf den Bundeshundespielen
Vor einem halben Jahr habe ich Werbung für ein Event in einem Forum gesehen, die Bundeshundespiele. Zuerst dachte ich „Ha, wie bescheuert, man muss aber auch alles vermenschlichen!“, doch es ging mir nicht aus dem Kopf. Ich sah mir die Homepage an und nach drei Tagen hatte ich allen von diesem komischen Event erzählt. Von der Idee gefesselt wollte ich also doch hin und so schenkte mir meine Mutter die Fahrt als gemeinsames Wochenende mit Hotelaufenthalt bei Wolfsburg.
Was sind die Bundeshundespiele? Sie sind als Spaß Event eine Werbeaktion des Futterherstellers Platinum, der sich mit den Betreibern der Hotelanlage Bernsteinsee und dem Veranstalter Camp Canis ein großes Hundewochenende ausgedacht hat. Man soll sich aus 10 Disziplinen 4 aussuchen und in diesen ohne Platzierung gegen andere Hundehalter antreten. Die Disziplinen waren bei Ticketbuchung anzugeben und konnten nachträglich nicht geändert werden. Es gab keine Platzierungen oder Ehrungen, um zu hohen Ehrgeiz von der Veranstaltung fernzuhalten.
Akari wird Athletin auf den Bundeshundespielen Viele Disziplinen waren nichts für uns, da sie uns entweder zu einfach oder viel zu schwer erschienen, Wasserdisziplinen konnte ich auch sofort ausschließen. So schloss ich Wettschwimmen, Stand Up Paddeling, Trail, Trickdogging, Beachility (Agility am Strand) und den Dreikampf (Leckerlispiele) für uns aus. Ich meldete uns für Rally Obedience, Canicross, Dog Dancing und Dummy Apport an.
Damit waren wir ungewöhnlich breit aufgestellt, von insgesamt ca. 290 Teilnehmern entschied sich kein anderer für diese Kombination. Wir trainierten ein halbes Jahr die Disziplinen jede Woche. Das mag sich nach einem harten Trainingsplan anhören, allerdings ist Akari ein sehr lebendiger Eurasier und sie muss oft auf mich zu Hause warten, während ich arbeite. Dann muss die angestaute Energie abends raus.
Wir fuhren schon am Vorabend ins Hotel, Akari schlief in einer Box neben meinem Bett und wir durften zwar nicht ans Buffet mit ihr, unser Essen aber in den Barbereich des Hotels verlegen. Sie war somit nie alleine. Direkt neben dem Hotel lagen Felder an denen wir spazieren gehen konnten, das Wochenende war für uns Städter ein kleiner Erholungsurlaub.
Angekommen auf dem Event verschafften wir uns zuerst einen Überblick über die Sportstationen. Unserem vorher zugemailten Zeitplan entsprechend wollten wir zuerst zur Dummy-Station, die Schlange war aber zu lang. Also fingen wir mit Canicross an. Wir tuckelten gemütlich los, Akari hatte leider sichtlich keine Lust wie eigentlich bei diesem Sport gedacht vorneweg zu ziehen. Bei der Anmeldung war ich davon ausgegangen, dass sich Akaris Freude am Ziehen meines Fahrrads auch aufs Joggen übertragen ließe. Da hatte ich leider falsch kalkuliert. Also trabten wir locker durch den Wald. Leider verliefen wir uns wie so einige andere an dem Tag und statt 4 km liefen wir 6 km. Das war etwas frustrierend für mich, wir waren beide froh als wir endlich das Ziel erblickten und rannten die letzten Meter glücklich auf meine wartende Mutter zu. Auch das Standpersonal hatte uns schon vermisst, gerade wo ich vorher angekündigt hatte froh zu sein, wenn ich den Lauf trotz meiner chronischen Krankheiten zügig ohne Pause beenden könne! Aber mir ging es gut und Akari hatte mir nun eines ausführlich erklären können: Zughundesport findet sie gut, aber nicht ohne Trainingspartner an ihrer Seite. Okay, darauf werde ich nun natürlich noch mehr Rücksicht nehmen.
Die Schlange an der Dummy-Station war noch länger geworden, also ging es für uns weiter zum Dogdancing. Dabei soll man sich mit dem Hund zu Musik in einer Choreographie bewegen, Regeln gibt es fast keine. Lange hatte ich die Tricks geübt, zusammengesetzt hatte ich sie aber erst vor wenigen Tagen. Unsere ans Team gesendete Musik begann zu spielen, nur leider viel zu laut, völlig ungewohnt für Akari. Sie begann nervös und überdreht, aber zugleich doch sehr motiviert um mich herum zu hüpfen. Glücklicherweise hüpfte sie im Takt. Zwischendurch gelangen uns an ein paar musikalisch wichtigen Stellen ein paar der eintrainierten Tricks. Völlig überraschend für mich war die Trainerin am Stand sowie die paar vorhandenen Zuschauer begeistert und laut ihr sollten wir unbedingt mit Dogdancing anfangen. Ich weiß noch nicht, ob das unsere Zukunft ist, aber es war ein tolles Lob und wer weiß… Akari und ich haben ja noch einige Jahre zusammen.
Nun ging es für uns endlich an die Dummy-Station. Das war unsere eigentlich schwächste Disziplin, Akari verstand es lange nicht den Dummy zu suchen oder gar „richtig“ zu mir zu bringen. Nach etwas warten waren wir dran. Bevor es los ging fragte die Trainerin erstmal nach unserem Trainingsstand. Sie bestätigte mich, dass der „normale“ 500g Apportel viel zu groß für meine zarte Hündin sei. Also warf sie erstmal meinen von daheim mitgebrachten 250g Apportel, Akari sprintete los und fand ihn nicht, weil er viel weiter weg war als wenn ich ihn warf. Ich schaffte es Akari weiter weg zu schicken, sodass sie doch Erfolg hatte. Die Trainerin warf noch einige ihrer Apportel und Akari hatte den Dreh jetzt raus. Zum Schluss wurde noch einer am Rand der Fläche an einem Baum versteckt. Ich lenkte Akari derweil mit Bewegungsübungen ab. Dann schickte ich sie in die richtige Richtung los. Irritiert drehte sie nach wenigen Metern um und entdeckte meinen fallen gelassenen Apportel neben mir. Stolz brachte sie ihn zu mir. Ich verkniff mir ein Lachen und schickte sie wieder los. Aber da auf der Wiese war doch nichts! Erst ein „Such!“ half ihr sich unter die Bäume zu trauen und in vollem Galopp kam sie zurück und präsentierte mir den Apportel perfekt. Ich war stolz, hatte ich doch geglaubt sie würde das nie lernen.
Wir waren nun ziemlich k.o., drei Sportarten an einem Tag sind schon ein unfassbares Pensum. Ich war sehr zufrieden mit Akari, die zwar beim Canicross großes Desinteresse demonstriert, davon abgesehen aber alles gegeben hatte. Auf der Suche nach Nahrung kamen wir am leeren Rally Obedience Stand vorbei. Dort waren Schilder auf dem Sand aufgebaut, an denen man vorbei laufen und an jedem Schild eine Aufgabe machen sollte. Zum Beispiel Sitz, den Hund abrufen, Platz, eine Wendung…
Wir haben es dieses Jahr geschafft uns für Klasse 2 auf Rally Obedience Turnieren zu qualifizieren, das ist die zweithöchste von insgesamt 4. Doch dieser Parcours war anders. Es gab Schilder, die gab es gar nicht, man musste auf der falschen Seite vorbei und dann war das alles auf Sand…
Ich sah es als Spaß-Parcours an und als Akari das erste mal in ihrem Leben über eine Hürde sprang und daraufhin begeistert den Ring verließ um meiner Mutter ihre Freude zu bekunden freute ich mich mit. In einem echten Parcours wären wir damit disqualifiziert gewesen. Wir brachten den Parcours noch schnell mit den letzten Übungen und einem Abruf zu Ende und selbst der Trainer kreidete uns den Fehler nicht an. Der größte Erfolg dieser Station war eh ein anderer: Sie hatte sich zwischen flatternden Absperrbändern, großen abgehängten Bauzäunen und einem laut klappernden Zelt auf mich konzentriert ohne Angst zu haben! Das war vor einigen Monaten noch ganz anders.
Jetzt kaufte ich ihr noch einige Kauartikel als Belohnung und dann mussten wir erstmal zurück im Hotel Mittagsschlaf halten.
Hat sich das Event gelohnt? Für uns ja! Ich habe mich im letzten halben Jahr auch an schlechten Tagen freudig und viel mit Akari beschäftigt, sie hat nicht nur neue „unnötige“ Tricks gelernt sondern auch viel an Selbstsicherheit gewonnen. Die vielen Reize auf dem Event haben auch uns Menschen zu schaffen gemacht und trotzdem konnte sie sportliche Leistungen erzielen. Ich bin stolz auf sie und uns als Team und wir werden es jetzt erstmal wieder langsamer angehen, aber am Training dran bleiben. Diese Erfahrung werde ich niemals vergessen.
Melanie Markwitz
mit Akari von den Schildowerwiesen
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